Supervision in der Selbsthilfe – Gemeinsam neue Perspektiven auf Probleme entwickeln

Eine Gruppe Menschen sitzt an einem Tisch. Sie schreiben Ideen auf große Papierblätter

Konflikte in der Selbsthilfegruppe, immer dieselben Personen, die Aufgaben übernehmen und das Gefühl, allein verantwortlich zu sein – all das erleben viele Engagierte in der Selbsthilfe. Im dichten Alltag bleibt jedoch oft wenig Raum, um innezuhalten und solche Situationen zu reflektieren. Supervision bietet genau diese Möglichkeit: einen geschützten Rahmen, in dem aktuelle Herausforderungen offen angesprochen, neue Perspektiven entwickelt und gemeinsame Lösungen gefunden werden können.

„Der große Unterschied zur Weiterbildung ist: Ich komme völlig unvorbereitet“, erzählt Supervisor Götz Liefert. „Die Teilnehmenden bestimmen die Themen. Sie bringen das mit, was sie gerade wirklich beschäftigt.“ Während Weiterbildungen vorab festgelegte Inhalte vermitteln, bietet Supervision einen offenen und geschützten Raum für aktuelle Anliegen.

Vielfältige Selbsthilfethemen in der Supervision

Gerade in der Selbsthilfe ist dieser Raum wichtig. „Man müsste sonst manchmal ein Jahr auf eine passende Weiterbildung warten“, so der Supervisor. In der Supervision können Themen zeitnah bearbeitet werden. Typische Supervisionsthemen sind:

  • Aufgabenverteilung: Wie können wir Aufgaben auf mehrere Personen verteilen? Und was mache ich, wenn niemand anderes etwas übernehmen möchte?
  • Gruppenaktivierung: Wie kann ich die Gruppe aktivieren, ohne alles allein tragen zu müssen?
  • Konflikte: Wie gehen wir als Gruppe mit Konflikten um und wie können wir diese am besten lösen?
  • Konkurrenz: Wie lösen wir die Konkurrenz zwischen der Gruppenleitung und der stellvertretenden Leitung?
  • Schwierigkeiten mit einzelnen Mitgliedern: Wie gehen wir damit um, wenn eine Person sehr viel Raum einnimmt oder so stark belastet ist, dass es sich negativ auf die Gruppe auswirkt?

Hierbei geben Supervisor*innen keine Lösungen vor. „Meine Rolle ist es, den Rahmen zu schaffen, dass alle zu Wort kommen. Die Kompetenz für Lösungen liegt oft schon in der Gruppe“, berichtet Götz Liefert. Durch gezielte Fragen, Perspektivwechsel und Rollenspiele werden Situationen gemeinsam aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Das führt nicht nur zu neuen Ideen, sondern erhöht auch das gegenseitige Verständnis.

Supervision als Unterstützung für Selbsthilfegruppen

Besonders herausfordernd sind Konflikte, die sich über eine lange Zeit aufgebaut haben. Götz Liefert erinnert sich an eine Selbsthilfegruppe, in der eine Person das Miteinander massiv beeinträchtigte. Erst durch eine gemeinsame Aufschlüsselung der Situation wurde deutlich: Wenn wir so weitermachen, zerstören wir unser eigenes Angebot. „Zu dieser Erkenntnis und zu konkreten Handlungsschritten konnte die Gruppe erst durch die Supervision gelangen.“

Für Götz Liefert steht fest: „Supervision ist keine Zusatzbelastung, sondern eine Form der Unterstützung und Wertschätzung für Menschen, die Verantwortung übernehmen – auch und gerade in der Selbsthilfe.“ Genau deshalb bietet die Selbsthilfeakademie Sachsen in diesem Jahr zum ersten Mal eine Gruppensupervision für Mitglieder von Selbsthilfegruppen an. In einer kleinen, geschützten Gruppe platzieren die Teilnehmenden ihre Themen und entwickeln neue Perspektiven, die sie anschließend in ihre Selbsthilfegruppen mitnehmen können.

Hinweis: Die Supervision am 03.03.2026 ist bereits ausgebucht.

Die Autorin: Mandy Fleer, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Selbsthilfeakademie Sachsen.