In Selbsthilfegruppen treffen Menschen mit gemeinsamen Themen aufeinander. Ihre Erwartungen und Persönlichkeiten können jedoch ganz unterschiedlich sein. Das kann zu Konflikten führen. Ein professioneller Umgang damit ist entscheidend, damit die Gruppe ein sicherer Ort bleibt, an dem gegenseitige Unterstützung möglich ist.
Warum entstehen Konflikte in Selbsthilfegruppen?
In Selbsthilfegruppen kann es zu kleinen Missverständnissen, aber auch zu ernsthaften Spannungen kommen. Häufig entstehen Konflikte, wenn Gruppenmitglieder:
- die Treffen dominieren und dabei zu viel Raum einnehmen,
- wiederholt gegen die Gruppenregeln verstoßen,
- ständig Ratschläge geben und dabei besserwisserisch auftreten,
- wiederholt vom Thema ablenken oder andere provozieren,
- nicht bereit sind, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen.
Diese Verhaltensweisen sollten in der Gruppe angesprochen werden, bevor daraus Konflikte entstehen.
Konflikte frühzeitig ansprechen
„Störungen haben Vorrang“, sagt Götz Liefert, Supervisor mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit Selbsthilfegruppen. Werden Probleme aus Angst vor Unruhe totgeschwiegen, nimmt die Spannung weiter zu. Oft bemerkt die betreffende Person gar nicht, dass ihr Verhalten andere belastet. Deshalb ist es wichtig, Konflikte frühzeitig und respektvoll anzusprechen.
Wichtige Schritte zur Konfliktlösung sind dabei:
- Ursache klären: Was genau stört? Geht es um ein bestimmtes Verhalten, unterschiedliche Erwartungen oder die Gruppendynamik?
- Offenes Gespräch führen: In Ich-Botschaften sprechen und Schuldzuweisungen vermeiden, zum Beispiel: „Ich fühle mich übergangen“ statt „Du lässt niemanden ausreden“.
- Gemeinsam nach Lösungen suchen: Vereinbarungen treffen, Gruppenregeln in Erinnerung rufen und Strukturen anpassen.
- Externe Unterstützung nutzen: Selbsthilfekontaktstellen können Hilfe leisten und die Gruppe während der Konfliktphase begleiten.
Ziel der Konfliktklärung ist nicht, jemanden zu kritisieren, sondern die Gruppe zu stärken.
Wann ein Ausschluss notwendig sein kann
Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und sich die Konflikte nicht lösen lassen, kann ein Ausschluss aus der Selbsthilfegruppe notwendig werden. „Das ist keine leichte Entscheidung“, sagt Götz Liefert. „Wenn die Gruppe in ihrer bestehenden Zusammensetzung jedoch nicht weiter zusammenarbeiten kann, sollte man diese Option in Betracht ziehen.“
Dabei ist wichtig:
- transparent vorzugehen und keine Entscheidungen hinter dem Rücken der betreffenden Person zu treffen,
- die Gründe für den Ausschluss klar und wertschätzend zu kommunizieren,
- persönliche Angriffe zu vermeiden,
- einen möglichen Ausschluss frühzeitig anzukündigen, damit die betreffende Person Gelegenheit hat, sich dazu zu äußern.
Nach einem solchen Schritt braucht die Gruppe Zeit, um die Situation zu verarbeiten. Schuldgefühle und Betroffenheit können dabei entstehen und sind nachvollziehbar. Doch gemeinsam kann sich die Gruppe nach und nach wieder auf das Wesentliche konzentrieren: die gegenseitige Unterstützung in der Selbsthilfegruppe.
Mit Konflikten in der Selbsthilfegruppe umgehen
Im Seminar „Konflikte in der Selbsthilfegruppe“ am 9. Oktober 2026 in Pirna erfahren Sie, welche typischen Konflikte in Selbsthilfegruppen entstehen können und welche Möglichkeiten es gibt, mit ihnen umzugehen und sie zu lösen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Rolle der Gruppenleitung.
Die Autorin: Mandy Fleer, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Selbsthilfeakademie Sachsen.


