Viele Selbsthilfegruppen stehen vor einer zentralen Herausforderung: Wie gelingt es, junge Menschen für die Selbsthilfe zu gewinnen und die Gruppe damit lebendig und zukunftsfähig zu halten? Der sogenannte Generationenwandel bringt dabei nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen mit sich.
Neue Mitglieder wirklich einbinden
„Wenn Menschen spüren, dass sie willkommen sind - und zwar so, wie sie sind, bleiben sie am Ball“, sagt Sozialpädagogin Franziska Anna Leers, die seit vielen Jahren in der Selbsthilfe-Unterstützung tätig ist. Damit sich neue Mitglieder in einer Selbsthilfegruppe wirklich wohlfühlen, braucht es mehr als gut funktionierende Abläufe. Entscheidend ist das Gefühl, angenommen und ernst genommen zu werden. „Menschen erleben Selbstwirksamkeit, wenn sie spüren, dass ihre Ideen gehört und ehrlich diskutiert werden“, betont Leers. Eine offene Gesprächskultur und echtes Interesse an neuen Perspektiven schaffen Vertrauen und damit eine wichtige Grundlage für dauerhafte Beteiligung.
Einbindung junger Menschen als Herausforderung
Viele Gruppen berichten, dass es schwerfällt, jüngere Generationen zu erreichen. Um dem entgegenzuwirken, setzen sie häufig auf Werbemaßnahmen mit Flyern oder über Social Media. Doch laut Leers greift das zu kurz: „Wenn das Fundament wackelig ist, verpufft auch die beste Öffentlichkeitsarbeit schnell.“ Junge Menschen suchen vor allem Sinn, echte Beteiligung und flexible Strukturen. Starre Rollen und festgefahrene Abläufe können dabei abschreckend wirken. Hinzu kommt, dass sich viele Jüngere in Lebensphasen mit hoher beruflicher oder familiärer Belastung befinden. Ihr Engagement muss sich deshalb gut in den Alltag integrieren lassen.
Beteiligung als Schlüssel für lebendige Gruppen
Gelebte Beteiligung ist ein zentraler Faktor für einen gelingenden Generationenwandel. Sie zeigt sich vor allem darin, dass Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird. „Alle Mitglieder sollten sich für das Gelingen der Treffen verantwortlich fühlen, nicht nur die leitende Person“, erklärt Franziska Anna Leers. Denn idealerweise funktionieren Selbsthilfegruppen wie ein Schwarm: Je nach Ressourcen und Fähigkeiten übernehmen unterschiedliche Menschen Verantwortung.
Der Generationenwandel in Selbsthilfegruppen ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Prozess, der aktiv gestaltet werden kann. Gruppen, die auf Beteiligung, Offenheit und Vertrauen setzen, schaffen eine lebendige Gemeinschaft, die auch für neue Generationen attraktiv ist und bleibt.
Lebendige Selbsthilfe für Jung und Alt
Möchten Sie den Generationenwandel in Ihrer Selbsthilfegruppe aktiv angehen? Dann ist das Seminar „Impulse für einen gelingenden Generationenwandel in Selbsthilfegruppen – Lebendige Selbsthilfe für Jung & Alt“ am 26. Juni 2026 von 10 bis 16 Uhr in Grimma genau das Richtige für Sie. Dort erfahren Sie, wie Sie Ihre Gruppe so gestalten, dass (jüngere) Teilnehmende sich willkommen fühlen. Gleichzeitig lernen Sie Methoden kennen, die echte Beteiligung fördern.
Die Autorin: Mandy Fleer, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Selbsthilfeakademie Sachsen.


