Selbsthilfegruppen leisten wertvolle Arbeit – getragen von großem Engagement, aber häufig mit knappen finanziellen Ressourcen. Spenden unterstützen die laufende Arbeit, ermöglichen Projekte und können neue Handlungsspielräume erschließen. Im Interview erzählt Matthias Daberstiel, Berater für Fundraising und Organisationsentwicklung, welche Möglichkeiten der Spendengewinnung es für Selbsthilfegruppen gibt und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind.
Herr Daberstiel, wieso sollten sich Selbsthilfegruppen mit dem Thema Spenden beschäftigen?
Selbsthilfegruppen leisten sehr viel und meist unter dem öffentlichen Radar. Dazu ehrenamtlich und mit begrenzten finanziellen Mitteln. Spenden können helfen, diese Arbeit zu stabilisieren und zusätzliche Angebote zu ermöglichen. Außerdem sind Spenden eine niedrigschwellige Form der Beteiligung: Menschen können eine Gruppe unterstützen, ohne selbst aktiv werden zu müssen. Spendenkampagnen bieten zudem die Chance, auf die eigene Arbeit aufmerksam zu machen und neue Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen. Wer sich mit dem Thema Spenden beschäftigt, stärkt also nicht nur die finanzielle Basis, sondern auch die Sichtbarkeit der Gruppe.
Über welche Wege können Selbsthilfegruppen Spenden einwerben?
Veranstaltungen wie Aktionstage oder Konferenzen bieten sich an, um Menschen zu erreichen – doch meine Erfahrung zeigt, dass der gezielte Spendenaufruf dabei oft vergessen wird. Häufig unterschätzt wird das persönliche Umfeld: Freundinnen und Freunde, Bekannte und Verwandte können ebenfalls spenden oder helfen. Auch digital lassen sich Spenden einwerben, entweder über die eigene Website oder über Spendenplattformen. Ein weiterer Weg ist die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen, Stiftungen oder Serviceclubs wie dem Lions Club. Entscheidend ist, die eigene Arbeit sichtbar zu machen und klar zu kommunizieren, wofür Unterstützung gebraucht wird.
Welche besonderen Herausforderungen gibt es bei der Spendenwerbung?
Viele Selbsthilfegruppen haben wenig Erfahrung mit dem Thema Spenden und sind unsicher, wie sie ihre Zielgruppen ansprechen sollen. Hinzu kommen die begrenzten zeitlichen Ressourcen der Gruppenmitglieder. Auch rechtliche und organisatorische Fragen spielen eine Rolle: Selbsthilfegruppen sind zumeist nicht gemeinnützig anerkannt – dürfen aber dennoch Spenden sammeln, wobei dann andere Regeln gelten. Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Beziehung zu den Gebenden langfristig zu pflegen. Dabei ist genau das entscheidend: Es kommt nicht nur auf die erste Spende an, sondern vor allem auf die zweite.
Doch wie funktioniert das in der Praxis? Darum geht es im Online-Seminar „Spenden für Selbsthilfegruppen, -initiativen und -vereine“ am 23. Juni 2026. Hier erfahren Sie zudem, wie Sie die besonderen Stärken Ihrer Selbsthilfeorganisation gezielt einsetzen, um erfolgreich Spenden einzuwerben.
Die Autorin: Mandy Fleer, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Selbsthilfeakademie Sachsen.


