Angehörig sein: Zwischen Verantwortung, Fürsorge und Selbstfürsorge

Eine Frau schiebt draußen eine Person im Rollstuhl

Wenn ein nahestehender Mensch chronisch erkrankt oder pflegebedürftig wird, verändert sich oft das gesamte Leben der Angehörigen. Aus Partner*innen, Kindern oder Eltern werden plötzlich Begleitende, Organisierende oder sogar Pflegende. Damit gehen neue Aufgaben, Gefühle und Herausforderungen einher. Doch was bedeutet es eigentlich, Angehörige*r zu sein? Und wie können Angehörige gut für andere sorgen, ohne sich selbst zu vergessen?

Wenn Pflege zum Dauerzustand wird

Für viele Angehörige wird Pflege schleichend zum festen Bestandteil des Alltags. Termine müssen organisiert, Medikamente verwaltet und Entscheidungen getroffen werden. Gleichzeitig gilt es, emotionale Unterstützung zu leisten und Unsicherheiten auszuhalten. „Angehörige müssen oft für die Pflegebedürftigen mitdenken, organisieren, vorausplanen, trösten und gleichzeitig akzeptieren, dass es für manche Situationen keine perfekte Lösung gibt“, sagt Eva Helms, Fachberaterin für Geriatrie und Gerontopsychiatrie.

Dabei treten viele Gefühle wie zum Beispiel Sorge, Trauer, Ärger oder Erschöpfung gleichzeitig auf. Häufig entsteht zudem der Eindruck, nie genug zu tun. Besonders belastend wird es, wenn die Verantwortung überwiegend von einer Person getragen wird.

Struktur im (Pflege)Alltag schaffen

Eine klare Struktur im Alltag hilft, den Überblick zu behalten und Überforderung zu reduzieren. Wichtig ist dabei, nicht alles allein bewältigen zu wollen. „Struktur bedeutet nicht, alles selbst zu schaffen, sondern passende Hilfen zu organisieren“, erklärt Eva Helms. Der erste Schritt sei, alle Aufgaben sichtbar zu machen: Welche Termine stehen an? Wer kann welche Verantwortung übernehmen? Und welche Unterstützungsangebote gibt es?

Wenn Zuständigkeiten innerhalb der Familie oder im Freundeskreis klar verteilt sind, entsteht Entlastung. Professionelle Angebote wie Tagespflege und ambulante Pflege- und Entlastungsleistungen ergänzen das Netz der Unterstützungsangebote. 

Wertschätzende Kommunikation mit chronisch Erkrankten

Auch die Kommunikation und die Beziehung zueinander verändern sich, wenn ein Mensch chronisch erkrankt oder pflegebedürftig wird. Besonders wichtig ist es, dem erkrankten Menschen möglichst viel Selbstbestimmung zu ermöglichen. „Zutrauen und Zumuten helfen, das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu erhalten“, sagt Eva Helms. Kleine Aufgaben, eigene Entscheidungen oder Mitgestaltung im Alltag stärken das Selbstwertgefühl.

Ebenso wichtig ist es, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und zu kommunizieren. „Die Würde des Erkrankten und die eigenen Bedürfnisse stehen auf einer Ebene“, betont Eva Helms. Wenn beide Seiten gehört werden, wird Kommunikation fairer und Grenzen lassen sich leichter benennen.

Sich selbst nicht aus dem Blick verlieren

(Pflegende) Angehörige kümmern sich häufig zuerst um andere und vergessen dabei ihre eigenen Bedürfnisse. Doch langfristige Fürsorge funktioniert nur, wenn auch die eigene Gesundheit berücksichtigt wird. „Fürsorge braucht kein Aufopfern“, sagt Eva Helms. Wichtig sind ausreichender Schlaf, regelmäßiges Essen, Bewegung und soziale Kontakte außerhalb der Pflegesituation.

Eine wichtige Unterstützung können zudem Selbsthilfegruppen für Angehörige sein. Der Austausch mit Menschen in ähnlichen Situationen entlastet, schafft Verständnis und bringt neue Lösungsansätze hervor.

Unterstützung für Angehörige: Seminare und Austausch

Um Angehörige im (Pflege)Alltag zu stärken, bietet die Selbsthilfeakademie Sachsen mehrere Online-Seminare für (pflegende) Angehörige an. Dabei erhalten Sie praktische Impulse und Raum für Austausch.

Im Seminar „Meinen und unseren Alltag strukturieren – Tipps zur Selbsthilfe für (pflegende) Angehörige“ am 23. April 2026 lernen Sie, Ihren (Pflege)Alltag mit Ritualen, klarer Aufgabenverteilung und Notfallplänen besser zu organisieren.

Das Seminar „Mit chronisch Erkrankten wertschätzend umgehen und kommunizieren“ am 8. Mai 2026 vermittelt Strategien für eine respektvolle Kommunikation. Diese helfen Ihnen, auch in emotional herausfordernden Situationen ruhig, klar und einfühlsam zu reagieren.

Im Seminar „Pflege und Selbstfürsorge: Belastungssituationen erkennen und achtsam handeln“ am 27. August 2026 geht es darum, eigene Belastungsgrenzen wahrzunehmen, Selbstfürsorge zu stärken und langfristig eine gesunde Balance zwischen der Pflegeverantwortung und dem eigenem Leben zu finden.

Die Autorin: Mandy Fleer, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Selbsthilfeakademie Sachsen.