Wandel im Leben und in der Selbsthilfegruppe: Veränderungsprozesse verstehen und begleiten

Eine Frau steht in der Natur und blickt in die Ferne

Veränderungen treffen jeden Menschen – ob Krankheit, Trennung, Verlust oder Umbrüche innerhalb der Selbsthilfegruppe. Trotzdem fühlen sich solche Situationen oft überwältigend an. Schock, Verleugnung, Wut oder Trauer können auftreten und den Alltag stark beeinflussen. Wie sich diese Reaktionen erklären lassen und wie Gruppen damit konstruktiv umgehen können, zeigt das Modell des Kreislaufs der Veränderung. „Veränderung ist kein einzelner Moment, sondern ein Prozess“, erklärt Sozialarbeiterin Franziska Anna Leers. „Wenn wir die Dynamik verstehen, können wir bewusster und mitfühlender handeln.“

Kreislauf der Veränderung: Orientierung in Krisenzeiten

Das Modell der kanadischen Organisationsentwicklerin Birgitt Williams beschreibt typische emotionale und gedankliche Reaktionen auf einschneidende Ereignisse. Es basiert auf dem Trauerzyklus von Elisabeth Kübler-Ross und macht deutlich: Widerstand, Überforderung und Rückschritte sind normal.

Laut dem Modell geschieht der Umgang mit Veränderungen in den folgenden Phasen:

  • Ereignis tritt ein
  • Schock: Gefühle wie Starre, Überforderung und Unwirklichkeit schränken das Denken und Handeln ein.
  • Verleugnung oder Ablehnung: Die neue Realität wird geleugnet oder relativiert und Arbeit, Social Media oder Hobbys sorgen für Ablenkung. Nach außen wirkt es, als würde man gut funktionieren, wobei innerlich ein distanziertes Gefühl entsteht.
  • Ärger und Trauer: Gefühle wie Trauer, Angst, Wut und Ohnmacht werden bewusst wahrgenommen.
  • Erinnern: Man erinnert sich an die schönen Zeiten vor dem Ereignis und die (emotionale) Verarbeitung beginnt. Dies ist der Tiefpunkt des Kreislaufs und gleichzeitig der Wendepunkt, ab dem es wieder bergauf geht.
  • Akzeptanz: Man akzeptiert, was ist und entdeckt vielleicht sogar einen Sinn hinter dem Ereignis.
  • Loslassen: Man kann Vorwürfe, Hadern und Opferdenken loslassen, wodurch ein offener Raum für Kreativität und neue Ideen für die aktive Gestaltung der veränderten Zukunft entsteht.
  • Loslegen und Neues entstehen lassen: Man macht erste aktive Schritte nach vorn und probiert neue Verhaltensweisen aus. Die Veränderung wird Teil des eigenen Lebens und der eigenen Identität, sodass man neue Perspektiven, Werte und Routinen für das eigene Leben entwickeln kann.

Dabei bewegen sich Menschen nicht geradlinig vorwärts. „Man kann zwischen Phasen wechseln oder in eine frühere zurückfallen“, erklärt Leers. „Auch das gehört dazu.“

Nutzen für die Selbsthilfegruppenarbeit

Gerade in Selbsthilfegruppen reagieren Mitglieder sehr unterschiedlich auf Veränderungen. Während einige bereits nach Lösungen suchen, brauchen andere noch Zeit für ihre Gefühle. „Wenn ich weiß, wo ich im Kreislauf stehe, entsteht Verständnis für mich und für die anderen“, so Franziska Anna Leers. Dieses Wissen kann Spannungen reduzieren und Gespräche erleichtern. Gleichzeitig gilt: Verständnis bedeutet nicht, die eigenen Grenzen aufzugeben.

Selbstmitgefühl stärken & Ressourcen aktivieren

Der Kreislauf ist nicht nur ein Erklärungsmodell. Er zeigt auch, welche Schritte in den jeweiligen Phasen hilfreich sein können. Genau hier setzt das Online-Seminar „Kreislauf der Veränderung – Wandel im Leben und in der Selbsthilfegruppe bewusst begegnen“ am 10. März 2026 an. Sie lernen, die einzelnen Phasen von Veränderungsprozessen zu verstehen, reflektieren Ihren persönlichen Umgang mit Krisen und erhalten konkrete Impulse für die Anwendung in Ihrer Selbsthilfegruppe.

Die Autorin: Mandy Fleer, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Selbsthilfeakademie Sachsen.